Weihnachten 2025
Brief der Seniora
Liebe Schwestern und Brüder, Schwaig, 2. Advent 2025
struppig und schief ist er, klein und spärlich. Wenige dürre Zweige unsicher auf einer Holzplatte festgemacht. Kein Lichterglanz, keine Pracht. Bei meinem Besuch im Erlanger Stadtmuseum ist mir der Kriegsweihnachtsbaum aus Jahr 1914 sofort ins Auge gefallen. Die deutsche Heeresleitung hatte im ersten Kriegswinter zehntausende klappbare Weihnachtsbäume an die Front schicken lassen. Dort waren, schon nach wenigen Kriegsmonaten die Fronten festgefahren, lagen sich Soldaten in den Schützengräben gegenüber, oftmals nur wenige 100 Meter voneinander getrennt. Als strategisches Instrument waren die Kriegsweihnachtsbäume erdacht, die Moral und den Kampfgeist zu stärken. Vielleicht könnten ja die kleinen Bäumchen Großes bewirken.
Was geschah hatte niemand erwartet: Als die Bäumchen aufgestellt wurden, wagten sich Soldaten von beiden Seiten aus den Schützengräben. Ein nicht autorisierter Waffenstillstand im Niemandsland. Wo eben noch aufeinander geschossen wurde, wurden kleine Geschenke ausgetauscht. Zeitzeugen erzählen, dass Adressen ausgetauscht wurden, und man sich für die Zeit nach dem Krieg verabredete. An manchen Stellen spielte man Fußball. Heute erinnern mehrere Denkmäler an diesen sogenannten Weihnachtsfrieden im Dezember 1914.
Ein Moment der Menschlichkeit, inmitten dunkelster Zeit. Frieden, vermittelt ausgerechnet durch die Kriegsweihnachtsbäume, von der Heeresleitung geschickt, so ärmlich und erbärmlich, wie sie waren. Wo Gräben vertieft werden sollten, wurden sie überwunden.
Freilich wissen wir heute darum, wie das Schießen und Sterben dann weiterging. Ja, dass es bis heute weitergeht, wie uns auch in dieser Adventszeit wieder schmerzlich bewusst ist. Und doch, und vielleicht gerade deswegen erinnert der Kriegsweihnachtsbaum daran: Frieden kann entstehen, Licht im Dunkel aufscheinen. Auch da, wo niemand es erwartet. Und
es fängt im Kleinen an.
„Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.“ (Mi 5, 1)
So wie Gott in die Welt gekommen ist, ausgerechnet in Bethlehem, in einem kleinen Kind. Fester Grund der Hoffnung für uns bis heute, dass Krieg und Feindschaft niemals das letzte Wort haben werden. So übermächtig sie auch manchmal zu sein scheinen. Frieden und Versöhnung sind möglich. Und im Kleinen fängt es an.
In der Pfarrgeschwisterschaft blicken wir schon jetzt der Januartagung mit Vorfreude entgegen. Sie wird am 12. Januar 2026 ab 14:30 Uhr per Zoom stattfinden. Zum Thema „Schöpfungstheologie – Wer rettet die Welt?“ begrüßen wir als Referenten Prof. em. Dr. Jörg Dierken.
Zur Anmeldung bitte 10€ vorab überweisen an: Bayerische Pfarrgeschwisterschaft IBAN DE35 5206 0410 0003 3150 29 und eine Mail an Pfarrgeschwisterschaft@elkb.de schreiben. Die Zugangsdaten für die Zoom-Konferenz werden dann per Mail zugeschickt.
Gerne laden wir auch schon zur Pfingsttagung vom 25.-27. Mai 2026 ein. Die Tagung wird unter dem Thema "Rote Linien und braune Elefanten - zum Umgang der Kirche mit Rechtspopulismus“ stehen. Als Referent konnten wir Prof. Dr. Michael Haspel aus Jena gewinnen. Anmeldung bitte bis 28.03.2026 per Mail an pfarrgeschwisterschaft@elkb.de und ebenfalls zugleich die Anmeldegebühr auf das Konto der Pfarrgeschwisterschaft: IBAN DE35 5206 0410 0003 3150 29 überweisen.
Im Namen des ganzen Rates der Brüder und Schwestern, von Senior Thomas Braun und Geschäftsführer Mark Meinhard grüße ich Euch herzlich, wünsche eine friedliche und lichterfüllte Adventszeit und ein gesegnetes Weihnachtsfest.
Ihre/Eure
Julia Illner
