Brief der Seniora -
Weihnachten 2023

Schwaig, 2. Advent 2023

Liebe Schwestern und Brüder,

in diesen Adventswochen liegen Licht und Schatten eng beieinander – so scheint es mir.

Mit Macht drängt Beunruhigendes und Schmerzhaftes heran: Die Bilder der Kriege, die Erstarkung radikaler Kräfte in unserem Land, die Erfahrung der ersten Vorboten des Klimawandels ... und noch anderes mehr.

All dies hört mit dem Beginn der Adventszeit ja nicht einfach auf. Und kann Kerzenschein in diesem Jahr wirklich Hoffnung bringen?

Es ist zu viel. Ich kann nicht mehr.“ Das habe ich in der letzten Zeit immer wieder so oder so ähnlich gehört:

Ich kann die Bilder in den Nachrichten nicht mehr aushalten.
Ich habe keine Kraft mehr, mich für die Demokratie einzusetzen.
Ich weiß nicht, wie ich die nächste Stromrechnung bezahlen soll.
Ich habe das Vertrauen in die Kirche verloren.

Resigniert, verzweifelt oder enttäuscht klingt es. Und auch in mir selbst bemerke ich solche Stimmen. Mich dann nicht in Ohnmacht zurückzuziehen, sondern Gemeinschaft und ehrlichesv Gespräch mit anderen zu suchen (vielleicht auch im Schein der Adventskerzen) empfinde ich momentan als sehr tröstlich und stärkend.

"Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.“ (1)

Dieses Zitat von Theodor Adorno klingt für mich gut hinein in unsere Zeit. Die Worte sprechen die Erfahrung von Macht und Ohnmacht offen an, und sind doch nicht von Resignation bestimmt. Der Hinweis auf den eigenen Handlungsspielraum birgt Hoffnung – eine Hoffnung, die ich auch in mir wach halten möchte. Eine Hoffnung gegen die eigene Ohnmacht, gegen das „Ich kann nicht mehr“.

Dabei ist mir die Weihnachtbotschaft in diesem Jahr besonders wichtig als Hoffnungsbotschaft, die aus der Ohnmacht hinaus weist.

Da bekommen die Schwächsten eine Stimme – und werden gehört.
Da überstrahlt die Botschaft des Friedens die Logik von Krieg und Gewalt.
Da werden Grenzen überschritten – und neue Gemeinschaft gefunden.

In all dem hat die Hoffnung festen Grund: „Fürchtet euch nicht ... denn euch ist heute der Heiland geboren.“ Darauf gehen wir zu. In dieser Zuversicht leuchten die Adventslichter schon jetzt an gegen alle Schatten dieser Welt.

Gemeinschaft und Gespräch haben in der Pfarrgeschwisterschaft ihren besonderen Platz bei unseren Tagungen. So blicken wir schon jetzt der Januartagung mit Vorfreude entgegen. Sie wird am 8. Januar 2024 ab 14:30 Uhr per Zoom stattfinden wird. Das Thema: „Neues aus der Ökumene“ Referentin ist Dr. Maria Stettner (Referat für Ökumene und interreligiösen Dialog).
Herzliche Einladung dazu!

Zur Anmeldung 10 € vorab überweisen an:
Bayerische Pfarrgeschwisterschaft
IBAN DE35 5206 0410 0003 3150 29 
und eine Mail an Pfarrgeschwisterschaft@elkb.de schreiben.
Die Zugangsdaten für die Zoom-Konferenz werden dann per Mail zugeschickt

Gerne laden wir auch schon zur Pfingsttagung vom 20. - 22.05.2024 ein. Zum 90. Jubiläum der Pfarrgeschwisterschaft wird die Tagung unter dem Thema "Bewegt von der Sorge um Volk und Kirche...“ - Innenansichten der Bekennenden Kirche in Bayern stehen. Als Referent konnten wir Dr. Karl-Heinz Fix aus München gewinnen.

Im Namen des ganzen Rates der Brüder und Schwestern, von Senior Thomas Braun und Geschäftsführer Mark Meinhard grüße ich Euch herzlich, wünsche eine lichterfüllte Adventszei und ein gesegnetes Weihachtsfest.

Ihre/Eure
Julia Illner


(1) Theodor Adorno, Band 4: Minima Moralia.