Brief des Seniors - Ostern 2020

„Hoffnungsträger“


Liebe Schwestern und Brüder,

angeregt durch eine Idee aus der Nordkirche (www.nordkirche.de/hoffnungswege), hat meine St. Georgener Kollegin Stefanie Kögel eine, wie ich finde, sehr schöne Aktion für unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden kreiert. Sie hat kleine Tütchen für Blumensamen gebastelt. Darauf druckte sie ein Symbol, in dem Kreuz, Herz und Anker miteinander verbunden sind. Und sie hat das Wort Hoffnungsträger darauf geschrieben.

Die Pflanzaktion fand in einer unserer Andachten statt, die wir in den letzten Wochen anstelle der Unterrichtsstunden für die Jugendlichen gestaltet haben. In unserer großen Kirche war das gut möglich. Den Konfirmandinnen und Konfirmanden war die Teilnahme völlig freigestellt. Knapp die Hälfte fühlte sich angesprochen. Lediglich für die Andacht mit dem Einpflanzen des Blumensamens am Mittwoch vor den Osterferien haben wir darum gebeten, dass alle kommen. Denn zur Konfirmation, die wir auf Mitte Juni verschoben haben, sollen aus den Hoffnungsträgern schöne Blumen geworden sein. Egal, wie die Lage sein wird und unter welchen Umständen die Konfirmation dann stattfindet.

Gewiss könnte jeder und jede von Euch von ähnlichen Aktionen und Gestaltungen in der Gemeinde erzählen. Die einen waren Pioniere in der digitalen Übertragung von Gottesdiensten, andere entwickelten gute Möglichkeiten zur unmittelbaren Begegnung von Mensch zu Mensch trotz aller Einschränkungen, zum Beispiel auf Kirchenplätzen oder Gemeindewiesen. Mittlerweile gibt es analoge und digitale Begegnungen fast überall gleichzeitig; beides kann sich sinnvoll ergänzen.

Bei all dem wird man sich gerne mit anderen austauschen oder sich – siehe mein Beispiel – auch von übergemeindlichen Ideengebern anregen lassen, aber die konkrete Umsetzung geschieht immer durch Menschen vor Ort mit ihren Stärken und Schwächen und den zur Verfügung stehenden Mitteln. Gerade das letzte Jahr hat gezeigt, dass die Ortsgemeinden die eigentlichen Kraftorte unserer Kirche sind, denn trotz vieler Einschränkungen kommt Menschen in den Gemeinden das Evangelium tatsächlich und unmittelbar nahe. 

Ich habe noch die Gemeindebriefe aus unseren Nachbargemeinden vor Augen, in denen der Rückblick auf Advent und Weihnachten drin ist. Vielerorts wurde die Botschaft vom Kommen Jesu in diese reale Welt besonders intensiv erlebt – dezentral, draußen und trotz des Nieselregens. Selten war zumindest bei unserer Art, Weihnachten zu feiern, das Kommen Jesu so dicht erfahrbar, befreit von allem sonst üblichen Kitsch. Die Versuche, in einer schwierigen Situation trotzdem etwas Gutes zu gestalten, ereignen sich v.a. an der Basis unserer Kirche. Das wird auch zu Ostern wieder so sein.

So komme ich zurück zu unserem Versuch, Konfirmandinnen und Konfirmanden Hoffnung erleben zu lassen in einer für sie wirklich prekären Situation. 

Zunächst mit dem Symbol „Kreuz, Herz und Anker“. Der Anker steht für Trost. Trost braucht, so glaube ich, eine feste Verankerung. Reine Utopien oder Wünsche genügen nicht. Die vielfältigen Erfahrungen in der Bibel, dass Gott unseren Glauben gerade in schweren Zeiten stärkt, sind solche, die wirklich trösten können. Im Geschehen von Kreuz und Auferstehung Jesu Christi, mit dem wir durch die Taufe verbunden sind (Römer 6), verdichten sich diese Erfahrungen besonders stark. 
Gott hat die Macht, eine bedrückende Situation zu verwandeln.

Dafür ist der keimende Blumensamen ein schönes Symbol. Gerade auch deshalb, weil wir nicht in der Hand haben, was daraus wird. Übrigens auch nicht, ob wir oder unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden vielleicht selbst Hoffnungsträger für andere werden können.  Aber wir bitten von Herzen darum, dass Trost und Hoffnung wahr werden – für die Jugendlichen und für uns selbst: 

          Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
          unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn -
          hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
          Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.

In unserer Weggemeinschaft ist das geschwisterliche, persönliche Miteinander wesentlich. 
Trotzdem mussten wir uns schweren Herzens dazu entschließen, unsere Pfingsttagung wiederum nicht in Präsenz zu halten, sondern per „Zoom“. Wir mussten in den letzten 12 Monaten lernen, dass Planungen mit Präsenzveranstaltungen bis auf Weiteres einfach sehr unsicher sind. Wir denken daran, wie gut und sorgfältig wir für die Januartagung im großen Raum der Nürnberger Jugendkirche LUX geplant hatten, und dann ging es doch nur digital. Ein solches Auf und Ab wollten wir diesmal weder uns als Rat noch den Interessierten an der Pfingsttagung noch unserer Referentin Liane Bednarz zumuten. Aber wir werden unsere Pfingsttagung nicht noch einmal ausfallen lassen. Mit unserer digitalen Januartagung haben wir übrigens auch Interessierte erreicht, die sonst keine Chance gehabt hätten, nach Nürnberg zu kommen. Und doch:

Dass viele von uns mittlerweile eine gewisse Routine mit „Zoom“ und ähnlichem entwickelt haben, hilft über den Verlust der unmittelbaren Begegnung nicht hinweg. „Zoom“ bleibt für mich ein flächiges, zweidimensionales Medium.  Der inhaltliche Austausch im persönlichen Miteinander, die Andachten mit den Kindern, das Zusammensitzen am Abend, das gemeinsame Singen und Feiern im Heilsbronner Münster und auch die freundschaftliche Umarmung vermisse ich schmerzlich. Aber ich bin dankbar für die Möglichkeiten, die uns heute zur Verfügung stehen. Wir müssen die Situation nehmen, wie sie ist.  Ich schließe mich dem an, was unser früheres Ratsmitglied Hans-Gerhard Koch in der Märzausgabe des Korrespondenzblattes geschrieben hat:

„Gottvertrauen“ brauchen Menschen in Corona-Zeiten … im hohen Maße. Wir brauchen es aktuell in der Pandemie und langfristig erst recht. Wir brauchen es aber nicht als blindes, sondern als sehendes und verantwortetes. „Erleuchtete Vernunft“ hat das einst Martin Luther genannt. Wenn Kirchen Gottesdienste mit Abstand oder online halten und Taufe und Abendmahl „berührungslos“ feiern, ist das keine Feigheit, wie ihnen von manchen Leserbriefschreibern vorgeworfen wurde. Im Vertrauen darauf, dass Glaubende Wege zueinander finden werden, sind die Einschränkungen auszuhalten und Fantasie zu entwickeln, wie es trotzdem geht.“ 

Im Übrigen ist der gesamte Artikel von Hans-Gerhard Koch lesens- und bedenkenswert.

Eine gesegnete Karwoche und eine frohes Osterfest,

 Ihr / Euer




Frieder Jehnes