Überlegungen zur Frage nach unserem Namen – 
Vorschlag zum Vorgehen

1. Erinnerung an die frühere Diskussion

Es war bei der Pfingsttagung 1997 (und natürlich zuvor im damaligen Rat), als wir die Frage zum ersten Mal diskutiert haben, ob wir weiterhin „Bayerische „Pfarrerbruderschaft“ bzw. "Pfarrbruderschaft“ bzw. heißen wollen (der Sprachgebrauch war seinerzeit nicht eindeutig) oder ob ein geschlechterneutraler Name nicht angemessener wäre.  

Ergebnis: Die damals 29 bei der Mitgliederversammlung Anwesenden votierten gegen eine Umbenennung  z.B. in „Bayerische Pfarrgeschwisterschaft“, auch der Großteil der Frauen. Ich nenne die wichtigsten damals genannten Argumente (das Protokoll der Mitgliederversammlung 1997 habe ich selbst verfasst):

  •  „Bruderschaft“ bzw. „Brüderlichkeit“ als Name für eine geistliche Gemeinschaft ist vom ursprünglichen, biblischen Sinn her geschlechterneutral;
  • „Geschwisterlichkeit“ ist geistlich gesehen nicht einfach dasselbe wie Brüderlichkeit;
  • Die Bezeichnung „Bruderschaft“ bringt unsere Verwurzelung in der bruderrätlich organisierten Bekennenden Kirche am klarsten zum Ausdruck;
  • Der traditionelle Name spiegelt auch besonders gut das Spezifische unserer Gemeinschaft, nämlich das Gespräch zwischen den Generationen. Damals hatten wir noch Mitglieder, die als Zeitzeugen direkt aus der Bekennenden Kirche kamen.

Für „Pfarrbruderschaft“ statt „Pfarrerbruderschaft“ ergab sich ein einstimmiges Votum. 
18 von 29 anwesenden Mitglieder unterstützten darüber hinaus den Vorschlag zur Namenserweiterung, den das damalige Ratsmitglied Christian Blendinger in die MGV eingebracht hat: „Theologische Weggemeinschaft von Frauen und Männern“, die Frauen bewusst an erster Stelle genannt, als „Ausgleich“ sozusagen. 

Mir ist um der Redlichkeit willen wichtig, die Geschichte der Namensdiskussion und den damaligen Diskussionsstand zu benennen, wenn wir uns dieser Frage erneut zuwenden. 

2. Warum die Namensdiskussion heute?

Grund sind Erfahrungen insbesondere im Rat der Schwestern und Brüder, wenn es gilt, Menschen für uns zu interessieren. Zum Teil aber auch eigenes zunehmendes Unwohlsein. Die Namensergänzung „Theologische Weggemeinschaft von Frauen und Männern“ ist schön und gut, aber der primäre Namen ist eben „Pfarrbruderschaft“.  

Gegenüber der  Diskussionslage von vor über 20 Jahren ergeben sich heute erhebliche Verschiebungen: 

  • Den Unterschied zwischen Brüderlichkeit und Geschwisterlichkeit kann von den jüngeren Kolleginnen und Kollegen niemand mehr nachvollziehen. „Hat das was mit der Michaelsbruderschaft zu tun?“ „Mit der Pfarrergebetsbruderschaft?“ 

Das sind permanent die Reaktionen, die man zu hören bekommt.

  • Selbst Theologinnen und Theologen, die sich im Studium intensiver mit der Bekennenden Kirche befasst haben, können mit „Pfarrbruderschaft“ nichts und damit auch nichts Positives mehr verbinden. 
  • Insofern entfallen weitgehend auch Assoziationen wie „progressiv“, „aufmüpfig“, „hierarchiekritisch“. Ganz im Gegenteil: Mit „Bruderschaft“ als Name für eine kirchliche Gruppe verbinden viele Menschen heute etwas, das sich am rechten Rand bewegt. Das heißt, wir geraten in der Wahrnehmung in eine Ecke, in der wir uns ganz bestimmt nicht sehen wollen.
  • „Theologische Weggemeinschaft von Frauen und Männern“ wird im Übrigen dem heutigen Diskussionsstand um Geschlechteridentitäten nicht mehr gerecht.

3. Zum Vorgehen

Bei der letzten Mitgliederversammlung gab es eine große Offenheit, sich der Namensfrage neu zu widmen.
Der Rat hat sich deshalb bei seiner Klausur intensiv mit dieser Frage befasst.

Ergebnis:

Wir bitten alle Mitglieder, sich an der Diskussion zu beteiligen – entweder brieflich an mich oder per Mail an pfarrbruderschaft@elkb.de.

Wir bringen vom Rat her folgende Ideen für eine Namensänderung ein, die sich an der Diskussion bei der MGV Pfingsten 2019 orientieren:

  • Bayerische Pfarrgeschwisterschaft – theologische Weggemeinschaft

  • Bayerische Pfarrgeschwisterschaft – theologische Weggemeinschaft in der Nachfolge der Bekennenden Kirche

  • Solidarische Kirche – theologische Weggemeinschaft von Frauen und Männern in der Tradition der Bekennenden Kirche

Bitte äußert Euch zu diesen Vorschlägen bzw. sagt uns, welcher Eure Zustimmung findet. Oder bringt eigene Ideen ein.
Natürlich sind auch grundsätzliche Überlegungen zur Namensdiskussion willkommen.


Der Rat wird bis zur nächsten Sitzung am 30. März 2020 alle Stellungnahmen sammeln, sichten und dann für die Mitgliederversammlung bei der Pfingsttagung 2020 einen Vorschlag erarbeiten.

Natürlich gebe ich Ihnen und Euch bis dahin auch gerne einen Zwischenbericht, um die Diskussion voranzubringen.

Bei der Mitgliederversammlung 2020 möchte der Rat die Frage zur Entscheidung bringen. Wir möchten das ungern in die nächste Ratsperiode hinein verschieben, weil es dem Gesprächsprozess innerhalb des jetzigen Rates entstammt.

Darüber hinaus möchten wir eine Öffnung der Mitgliedschaft gegenüber Nichttheologen zur Abstimmung bringen, die unsere Art des theologischen Arbeitens für sich als wichtig erachten. Das wäre vielleicht erst mal eine Öffnung für interessierte Familienangehörige oder Freundinnen und Freunde. Zur Erinnerung:  Es gab auch früher schon „Sondermitgliedschaften“. Wie weit eine Öffnung für Nichttheologinnen und –Theologen überhaupt interessant wäre, hängt freilich auch von unserem  Namen ab.

Für den Rat der Schwestern und Brüder
Frieder Jehnes (Senior)
St. Georgen 1 – 95448 Bayreuth – 0921 27167